Prof. Dr. Holger Puchta

Prof. Dr. Holger PuchtaJoseph Gottlieb Kölreuter Institut für Pflanzenwissenschaften
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Die Symphonie der Moleküle (08:45)

Im Juli 2023 hat die EU Kommission vorgeschlagen, in Europa auch Nutzpflanzen für den Anbau zu erlauben, die mit der molekularen Schere CRISPR/Cas genetisch verbessert wurden. Das Verfahren zu einer entsprechenden Gesetzgebung ist nun fast abgeschlossen. Der Vortag erklärt – auch in Bezug auf eigene Arbeiten des Vortragenden – wie molekulare Scheren funktionieren und wie sie auch im Vergleich zu anderen Züchtungstechniken bei Pflanzen eingesetzt werden. Neueste Ergebnisse seiner Arbeitsgruppe zeigen, dass so nicht nur einzelne Gene sondern auch ganze Chromosomen verändert werden können. Aber sind die genetischen Veränderungen, die wir mit CRISPR/Cas erreichen können, sinnvoll? Stellen solche Pflanzen nicht ein Risiko dar und verstößt deren Zulassung nicht gegen das Vorsorgeprinzip? Wie geht der Rest der Welt mit diesen Pflanzen um? Antworten darauf und wieso die Landwirtschaft durch den Einsatz von CRISPR/Cas tatsächlich nachhaltiger werden kann, gibt der Vortrag.

Zur Person
Holger Puchta ist seit 2002 Professor für Molekularbiologie und Direktor des Joseph-Gottlieb-Kölreuter-Instituts für Pflanzenwissenschaften am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Nach seinem Biochemiestudium an den Universitäten Tübingen und München sowie seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Biochemie in München arbeitete er 6 Jahre am Friedrich-Miescher-Institut in Basel, Schweiz, bevor er Gruppenleiter am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben, Deutschland, wurde. 1993 war er weltweit der erste Wissenschaftler, der zeigte, dass man mit molekularen Scheren gezielte Veränderungen in Pflanzengenomen herbeizuführe kann. Seine Arbeitsgruppe konnte kürzlich auch als erste mit Hilfe der molekularen Schere CRISPR/Cas nicht nur die Struktur sondern auch die Anzahl der Chromosomen von Pflanzen verändern. Er wurde zweimal mit einem Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats ausgezeichnet und zuletzt mit der Reinhard-Koselleck-Exzellenzförderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Er ist gewähltes Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina sowie der Europäischen Akademie der Wissenschaften.