Internationaler Experte für Biologie und Bekämpfung von Stechmücken
Universität Heidelberg
Stechmücken – kleine Insekten mit großer Bedeutung für Menschen (10:00)
Stechmücken sind von herausragender humanmedizinischer Bedeutung. Sie bedrohen nicht nur die Gesundheit durch die Übertragung gefährlicher Krankheitserreger, sondern mindern als Lästlinge auch erheblich das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Menschen. Mit gutem Recht werden die Stechmücken als die gefährlichsten Tiere der Welt bezeichnet, wenn man bedenkt, dass jede Minute ein Mensch durch einen Mückenstich stirbt. Zwar ist Malaria immer noch die häufigste Todesursache, aber zunehmend gewinnen die Arbovirosen an Bedeutung – Viren, die von Arthropoden wie Stechmücken übertragen werden. Jährlich werden etwa 400 Millionen Menschen durch einen Stechmückenstich mit Dengue-, Chikungunya- oder West-Nil-Viren infiziert. Krankheiten, die mit dem Auftreten der Asiatischen Tigermücke Aedes albopictus an Bedeutung in Deutschland gewinnen. Die Bekämpfung der Stechmücken ist daher notwendig, setzt aber voraus, dass man die Biologie der verschiedenen Stechmückenarten kennt. Im Rahmen ihrer mehr als 100 Millionen Jahre Evolution haben die unterschiedlichen Stechmückenarten es erreicht, die unterschiedlichsten Wasserkörper bei ihrer Entwicklung zu besiedeln und sich an unterschiedliche Lebensbedingungen anzupassen. Das Erarbeiten von Bekämpfungsstrategien setzt daher intensive Forschungsarbeiten voraus, um eine gezielte und umweltverträgliche Bekämpfung zu gewährleisten. Das Ziel muss es sein, sowohl den Menschen als auch die Natur zu schützen. Mit dem Einsatz biologischer Methoden wie dem Einsatz mikrobiologischer Präparate auf der Basis von Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) ist dies nicht nur durch die Pionierarbeit im Rahmen der biologischen Bekämpfung am Oberrhein, sondern weltweit gelungen. Nur bei bodenständigen (autochthonen) Übertragungen von Krankheitserregern sollen chemische Insektizide gegen adulte Mücken eingesetzt werden. Gerade die Bekämpfung der Stechmücken im urbanen Bereich setzt die intensive Mithilfe der Bevölkerung durch das Vermeiden und Sanieren von Brutstätten sowie die Suche nach neuen effektiven Bekämpfungsstrategien im Rahmen intensiver interdisziplinärer Forschung voraus. Dazu zählt auch das Vermitteln von Kenntnissen der Biologie und Bekämpfung der Stechmücken in Schulen. Stechmücken als Untersuchungsobjekt eignen sich in besonderer Weise, weil man sie relativ einfach im Siedlungsbereich finden kann und Stechmücken uns alle gleichermaßen betreffen.
Zur Person
Norbert Becker ist Professor an der Universität Heidelberg und lehrt medizinische Entomologie und Ökologie. In Deutschland war er mehr als vier Jahrzehnte Direktor der Kommunalen Aktionsgemein¬schaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage (KABS) sowie international der Präsident der Society of Vector Ecology und der World Mosquito Control Association. Er widmet sich seit 50 Jahren vor allem der Stechmückenforschung und der bio¬logischen Bekämpfung von Stechmücken. Es ist das gesteckte Ziel, die Stechmücken als Lästlinge und Überträger von Krankheitserregern umweltverträglich und effektiv zu bekämpfen, ohne dass die Biodiversität negativ beeinträchtig wird. Seit einigen Jahren stellt die Bekämpfung der invasiven Asiatischen Tigermücke eine enorme Herausforderung für die betroffenen Kommunen und die Bevölkerung in Deutschland dar, weshalb die erfolgreiche Bekämpfung dieser Stechmücke eine hohe Priorität bei der Forschung hat. Als langjähriges Mitglied des Beraterkomitees TDR bei der WHO unternahm Dr. Becker zahlreiche Auslandsreisen, um Malaria und Dengue in Afrika, Asien und Südamerika zu bekämpfen.


